Saechsische Zeitung

 

Tag und Nacht mit Feuerwehrleuten vor Ort


Franziskaner berichten ueber Ereignisse in New YorkPirna. Von einem Jugendgebetswochenende in Biberach kommend, machten der aus Pirna stammende Stefan Tautz (Bruder Paulus-Maria), der seit zweieinhalb Jahren bei den Franziskanern von der Erneuerung in New York lebt, und sein Mitbruder Martin-Maria fuer einige Stunden Station in Pirna. Am Dienstag in den fruehen Morgenstunden ankommend, nahmen sie an der Feier der Heiligen Messe teil. Im Anschluss daran kam es mit Mitgliedern der Gemeinde von St. Kunigunde und St. Heinrich zu einem kurzen Gespraech.Zum einen ging es um ihre Arbeit und ihre vielfaeltigen Aufgaben, um ihre Ordensgemeinschaft,und aus erster Hand erfuhren die anwesenden ueber die schrecklichen Ereignisse vom 11. September in dieser Stadt. Tag und Nacht waren Mitglieder dieser Gemeinschaft mit den Feuerwehrleuten vor Ort.Verzweiflung und Innehalten, Bereitschaft zum Handeln und ein grosses Zusammengehoerigkeitsgefuehl sind zurzeit die sichtbaren Merkmale bei den New Yorkern.“ Als das Schreckliche geschah, tausende Menschen in Panik die Gegend des World Trade Centers verliessen, gingen wir Brueder von der Gemeinschaft runter nach Downtown, um in der Botschaft des Kreuzes Trost und Frieden zu bringen” , sagte Bruder Paulus –Maria zum Schluss.Im Eiltempo begleitete ich die beiden  aus New York noch zu einigen Sehenswuerdigkeiten in unserer Stadt. Mittlerweile sind sie wieder unterwegs in de Strassen und Stadtteilen dieser Weltmetropole, die von Touristen wohl kaum besucht werden. (Michael Loeffler)



Thueringer Landeszeitung

Zeitung fuer das Eichsfeld

Zwei abgreissene Haende



Heimgekehrt für einige Stun-den war in dieser Woche Bruder Paulus. Heimgekehrt ins Eichsfeld zu Freunden und zu seinen Eltern und Geschwistern in Pirna. Ein von ihm gestaltetes Jugendgebetswochenende in Riedlingen -dessen Teilnehmer hatten Paulus und dem mit ihm gekommenen Bruder Martin das Flugticket bezahlt - machte den Abstecher moeglich. Mitgebracht hatte Paulus, der seit zweieinhalb Jahren in der ,,Gemeinschaft der Franziskaner von der Erneuerung" in New York lebt, auch seine Empfindungen und Berichte von dem ,,die ganze Stadt bis in Mark erschuetternden und Amerika entsetzenden Terroranschlaegen" und Schilderungen von Mitbrüdern, die nach dem Einsturz des World Trade Centers nahe dem Ort des Entsetzens waren.


Bruder Paulus (I.) - hier mit Bruder Martin und zwei Jugendlichen aus Nordhausen - besichtigte in Bodenrode-Westhausen auch den neuen Standort seiner einstigen Bauwagen-Einsiedelei. EichsfeldlNew York. (tlz)



Paulus lässt dabei ein Bild nicht los: Ein Feuerwehrmann barg aus den Trümmern zwei abgerissene Hände, die sich im Grauen, in den letzten Sekunden des Lebens, gereicht wurden und die man wie zusammengeschweisst fand. Wohl die Hand einer Mutter und die ihres Kindes. .,Mehr wurde von den Beiden nicht entdeckt", so Paulus. Das Leid sei schrecklich, die Trauer gross. ,,Ganz Amerika hielt den Atem an". Für eine Woche habe es in New York keinen Diebstahl gegeben. Das deute an wie der Anschlag alle betroffen machte. ,,Und zusammenruecken liess. Mehr als sonst. Das spueren wir auch in unserer Ordensgemeinschaft", so Paulus. Mehr Menschen gingen wieder in die Kirche, suchen Trost im Gespraech mit Gott. Er selbst, so der Ordensbruder, sei erst später an dem etwa eine halbe Stunde Fahrzeit entfernten Unglucksort gewesen. ,,Näher und eine Stunde nach der Katastrophe dran waren unsere Mitbrüder aus der Bronx und dem dortigen Noviziat." Unter den Opfern seien viele Feuerwehrleute, mit denen der Orden zusammengearbeitet habe . ,,Ganze Manschaften, ganze Stationen wurden durch den Einsturz der Zwillingsturme ausgeloescht".






Am morgigen Samstag werde es für sie einen Maennergebetstag geben.
,,Wir rechnen mit 300 Männern. vor allem Feuerwehrleuten", so Paulus, der dabei sein wird. Zwischen der Ordensgemeinschaft und Feuerwehr gebe es ein enges Verhàltnis, treffe man sich doch oft bei sozialen Diensten und Veranstaltungen. Tag und Nacht seien die Ordensbrüder seit dem 11. September mit Feuerwehrleuten unterwegs gewesen, um ,, durch unsere Gegenwart den Beistand Gottes zu bezeugen". ,,lmmer, wenn wir Bürder von der Gemeinschaft runter nach Down-town gingen, sahen wir unsere Aufgabe darin, in der Botschaft des Kreuzes Trost und Frieden zu bringen" erzählt Paulus auch von einem Kreuz, das in den Truemmern gefunden wurde und Teil eines Denkmals werden soll. Zwei grosse Eisenteile, die durch die Explosion so zusammengefügt wurden, dass sie eine Kreuzesform bilden.





Paulus, ,,froh in New York leben zu können, jetzt, wo so viele, die Angehoerige verloren haben, geistlichen Beistand suchen", spricht vom ,,ganz neuen Verhältnis der Menschen hier zu jeder Form des Lebens" - in der Trauer um die vielen Opfer und jetzt in ihrer Sorge um die Milzbrandgefahr.In diesem Meer des Kummers glüht Paulus vor Glaubenseifer und hofft, dass neben New York, London und in Honduras auch in Deutschland eine Niederlassung des Ordens entsteht. Aber man solle nicht planen, zitiert er Mutter Teresa: ,,Sie hat einmal gesagt, wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plaenen". Alles liege in Gottes Hand, auch sein Tun in New York, ,,mit meiner bescheidenen Kraft, Trost mit zu spenden, wo so viele trauern und sich sorgen", sagte er bevor er sich aufmachte zum Rueckflug -neun Stunden Flug bis nach New York, seiner neuen Heimat. Ein Stueck Kraft dafür tankte er im Eichsfeld.