Meine Feierliche Profess |
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Pater Glenn Sudano empfängt die Gelübde von Bruder Paulus-Maria am 1. August 2004 in New York |
Endlich sollte es soweit sein. Nach Jahren der Vorbereitung konnte ich nun meine Feierliche Profess in der Gemeinschaft der Franziskaner von der Erneuerung ablegen. Der lange Weg hat sich gelohnt! Eine Profess ist wie ein Wegweiser, der die Richtung eines Lebensweges etwas genauer bestimmt. Auch wenn der Weg steiler werden sollte, ich kann voran gehen. Eine Entscheidung ist getroffen! Glück und Erfüllung haben viel mit Entscheidungen zu tun. Es ist wie ein Hochzeit, aber an Stelle des einen Lebenspartners, ist eine ganze Welt und der Schöpfer allen Lebens getreten!
Die Weihe zu Gott ist eines der erstaunlichsten Dinge im Leben eines Menschen. Kein anderes Lebewesen kann eine Weihe machen – also ein Versprechen, etwas Gutes aus freiem Willen für etwas Grösseres und Besseres aufzugeben. Es ist schon geheimnisvoll, dass etwas Gutes für etwas Gutes aufgegeben werden soll.
Ist Reichtum schlecht? Nein – wenn man ihn richtig nutzt!
Ist sexuelle Liebe schlecht? Nein- wenn man im Sinne des Schöpfers damit umgeht!
Ist Freiheit und Selbstverwirklichung schlecht? Nein- wenn man dadurch selbstloser wird!
Eine Weihe zu Gott in Armut, eheloser Keuschheit und Gehorsam gibt etwas Gutes für etwas Besseres ab! Der Gottgeweihte lernt, alles für Gott und den Menschen zu tun. Jede Handlung wird dadurch geheiligt. Gott ist für das Leben der Gottgeweihten verantwortlich. Ich gehöre nicht mehr mir selbst, sondern Gott und allen Menschen! Darum nehmen wir auch den Titel „Bruder“ oder „Schwester“ an.
Eine Profess braucht Zeit und Vorbereitung. Sie macht nur Sinn in der Nachfolge Christi. Jesus allein ruft in die Nachfolge. Das geht Schritt für Schritt und braucht viel Hinhören, Vertrauen, Experimentieren, Versagen und Neuanfangen. Es ist ein ganzes Leben!
Als ich eine Franziskusfigur modelliert habe, da habe ich die Hände und Füsse, Augen und Ohren ganz gross dargestellt, da Franziskus so lange den Weg gesucht hat. Aus der Kapuze kuckt ein grosses Ohr heraus. Das Hinhören ist in der Nachfolge Christi sehr wichtig! Wir müssen lernen, die Stimme Gottes im Lärm der Welt zu erkennen. Das geht nicht ohne tägliches Gebet! Gebet ist ein Gespräch, wo Hinhören dazu gehört. Das Wort „Gehorsam“ sagt ja schon aus, dass wir zu dem gehören, auf den wir hören...
Unser franziskanisches Leben hat „4 Räder“: Gebet, Brüderlichkeit, Arbeit mit dem Armen und Neuevangelisation. Wir haben gespürt, dass unsere „Erneuerung“ nicht nur das Ordensleben betrifft, sondern auch menschliches Zusammensein, gegenseitige Achtung und Respekt. Die Nächstenliebe muss immer im Zentrum bleiben!
Unsere „Pro-Life“ Arbeit muss daher immer auch „Pro-Love“ Arbeit sein. Die Kultur des Lebens ist eine Kultur der Liebe! Abtreibungen, Experimente mit Ungeborenen und das Töten von Alten, Schwachen und Kranken in unseren modernen, westlichen Gesellschaften kommen von einer „Krise der Liebe“. Hier kann nur das Evangelium die Antwort sein! Ohne Jesus erkaltet die Nächstenliebe. Es geht nicht um neue und stärkere Systeme, sondern um Bekehrungen zum christlichen Leben.
In unserer Arbeit setzen wir uns für Bekehrungen der Herzen ein. Das geht nur von Herz zu Herz! Ob durch Musik, Exerzitien, Sozialarbeit, Hausbesuche, Gespräch, Gemeindemissionen, Kinderwochen, Gebet vor Abtreibungskliniken oder Wallfahrten uns geht es immer um den persönlichen Kontakt. Ohne persönliche Bekehrungen kann es keine positive Veränderung in der Gesellschaft geben!
Der Name „Franziskaner von der Erneuerung“ weist auch auf unser eigens Bestreben nach Bekehrung hin. Persönliche Umkehr braucht ein ganzes Leben und ist einfacher mit anderen Brüdern und Schwestern. Als ich am 1. August 2004 die Feierliche Profess abgelegt habe, tat ich dass mit 8 anderen Brüdern im Kreis unser mittlerweile 100 Mitgliedern. Der steile und manchmal mühselige Weg zu Gott braucht Gefährten und Brüder, die den gleichen Weg teilen. Die Ordensregel eines grossen Heiligen und die Gemeinschaft von Brüdern, die nach Heiligkeit dürsten, macht das Ziel der Heiligkeit keine fromme Illusion. Es wird eine tagtägliche Verpflichtung, die Freude weckt und heilende Energie freisetzt.
Ich kann Gott nicht genug für meine Feierliche Profess danken! Was würde aus mir ohne diese Weihe zu Gott werden? Könnte ich jemals über mich selbst wachsen und total loslassen – für andere, für Gott?
Es gibt viele verschiedene Gründe, nach New York City zu gehen. Ich habe den Ort gefunden, Heiligkeit als wahrhafte Möglichkeit zu entdecken. Hat die USA deshalb den Spitznamen: „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ erhalten? Bestimmt nicht, aber Gott hat einen Sinn für Humor! Aufgewachsen in den „Neuen Bundesländern“ habe ich nicht einmal gewusst, wo New York genau liegt. Meine Heimat hat den Spitznamen „Tal der Ahnungslosen“ erhalten, weil wir kein „West-Fernsehen“ erhalten konnten. Ich hätte die Person ausgelacht, die mir gesagt hätte, dass ich eines Tages vom „Tal der Ahnungslosen“ ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ gehen würde. Aber Gott hat Seine eigenen Pläne mit Seinen Gottgeweihten...
Und wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle Ihm Deine Pläne...